Es gab Zeiten, in denen stand Sport für mich an erster Stelle auf der To-do-Liste. Diesen Umstand geschuldet, lag mein Fokus ausschließlich auf dem täglichen Training (6x / Woche). Andere Freizeitaktivitäten habe ich auf ein Minimum heruntergefahren und auch den Kontakt zu meinem sozialen Umfeld drastisch reduziert und vernachlässigt. Ein Training nicht wahrnehmen zu können, hat mich innerlich sehr unruhig werden lassen. Ich hatte das Gefühl, ich verpasse etwas und hänge mit meiner Leistung hinterher. Rückblickend betrachtet, muss ich darüber schmunzeln, finde es aber ein ernstes Thema, das viele Leute betrifft, die sportlich aktiv sind. Ein gesundes Verhältnis zwischen Sport und Freizeit habe ich letztlich durch eine Selbstreflexion und durch die Betrachtung meines Egos erhalten.

Beweggründe

Ein wichtiger Punkt in der Selbstreflexion sind die Beweggründe. Warum wollte ich das so sehr, bzw. war es für mich so schlimm, ein Training zu verpassen? Es war der unbewusste Vergleich mit anderen Athleten. Ihr kennt das sicher. Man scrollt durch Facebook und Instagram, schaut sich die Posts an und fängt irgendwann an zu denken „krass… wie er / sie aussieht“.

Regel Nr.1: Bilder sind das eine, das echte Leben das andere. 😉 Mein Ziel war es nie aus ästhetischen Ansätzen zu trainieren. Ich wollte einen Nutzen im Alltag haben, ein gutes Körpergefühl, mehr körperliche- und mentale Stärke. Dieser Ansatz verzerrte sich schleichend und unbewusst in die ästhetische Richtung. Anhand meiner Trainingserfolge verglich ich mich zunehmend mit der Fitness Community. In dieser Zeit habe ich mich oft gefragt, wieso ich einen so geringen Fortschritt mache. Durch mein verzerrtes Selbstbild habe ich das große Ganze nicht gesehen, sondern nur einzelne Teile.

Die richtige Balance finden

Ich habe mein Training seit längerer Zeit auf 3 Einheiten pro Woche reduziert, da ich gemerkt habe, dass ich zu viel auf einmal wollte und meine Freizeit ziemlich in Stress ausgeartet ist. Durch die Reduzierung konnte ich mein Verhalten zum ersten Mal reflektieren und habe meine Fehler gefunden und beseitigt. Ich war nicht bei mir, sondern habe mich von außen leiten lassen. Heute bin ich, ICH. Wenn ich nicht trainieren kann oder keinen Drang habe (ja, das gibt es auch ;-)), ist das eben so. Ich habe zum Beispiel im Urlaub immer wieder nach Möglichkeiten gesucht, jeden Tag oder zumindest jeden zweiten Tag zu trainieren. Auch kürzlich noch. Jedoch habe ich erkannt, dass mir zwei oder drei Wochen komplette Auszeit guttun und ich diese Zeit sehr genieße. Ich weiß, dass mir mein falsches Ego in der Vergangenheit eine andere Meinung hervorgebracht hat. Verstehe mich nicht falsch. Ich bin sehr gern an der Luft und trainiere. Ich habe viel Spaß an der Bewegung und liebe es meinen Körper herauszufordern, nur waren die Beweggründe und die Art und Weise, wie ich es getan habe, nicht gut.

Weniger ist mehr

Das bekannte Sprichwort „weniger ist mehr“ trifft es auf den Punkt. Meine 3 Workouts, es können auch mal 4 oder 5 sein, je nachdem wie ich mich fühle, sind intensiver als meine 6 Workouts in der Vergangenheit. Ich versuche mit 120 % ins Training zu gehen, was nicht immer klappt. Wichtig ist, es zu versuchen! At least you tried it. Durch die reduzierten Workouts kann ich mir meine Tage besser aufteilen und schaffe mir eine Balance zwischen Sport und anderen Aktivitäten wie Familie, Garten, Lesen und alles was tag täglich anfällt.

Was ich dir mitgebe

Lass dich von anderen inspirieren, aber nicht leiten. Picke dir die Kirschen, die für dich sinnvoll sind heraus (genau wie du es bei diesem Beitrag tun kannst) und lasse sie in dein ICH einfließen. Mach das, was du tust nur für dich. Was sich so einfach schreibt, muss ständig im Kopf präsent sein. Wenn du den Antrieb verlierst, egal ob es im Sport, im Beruf, in der Beziehung oder in anderen Lebensbereichen ist, nimm dir ein paar Tage oder Wochen Auszeit um die Routine zu unterbrechen und reflektiere dann deine Beweggründe. Tust du es, weil du es möchtest oder tust es, weil dein Ego dir sagt, du musst es? Dafür musst du nicht in den Urlaub fahren bzw. fliegen. Es reicht bereits, wenn du deine Routine am Tag ein Stück weit änderst und aus den Gewohnheiten aussteigst. Du wirst feststellen, dass du Dinge siehst, die du zuvor nicht gesehen hast. Sei ehrlich zu dir selbst, so wie ich ehrlich zu mir und zu dir bin. Genieße dein Leben und lass dich nicht stressen. Finde deine Balance für einen entspannten, fokussierten und fitten Alltag.